Am 9. Dezember 2009 ist der "Internationale Tag gegen die Korruption". Einen Tag später, am 10. Dezember 2009, folgt der "Tag der Menschenrechte". Beide Themen sind auch in Indien wichtig - und gerade dort auch sehr stark miteinander verbunden.
Korruption, "allgemein definiert als missbräuchliche Inanspruchnahme eines öffentlichen Amtes für private Zwecke" (Nohlen: Lexikon der Dritten Welt), ist in Indien weit verbreitet. Zwar nimmt Indien auf dem aktuellen Index von Transparency International als 84. mit einem Wert von 3,4 auf einer Skala von 0 bis 10 einen Platz im Mittelfeld ein - doch großen Grund zum Stolz bietet das sicherlich nicht. Schließlich bedeutet es, dass ein Sechstel der Menschheit in einem System lebt, das in hohem Ausmaß von Korruption geprägt ist. Spitzenreiter Neuseeland mit einem Wert von 9,4 oder Deutschland mit einem Wert von 8,0 sind noch in weiter Ferne.
Die Auswirkungen auf die Menschenrechten lassen sich an einem einfachen Beispiel erläutern.
Durch die korrupte Vergabe von Ämtern werden nicht die qualifiziertesten Personen ausgewählt - die Qualität von Justiz und Verwaltung nimmt dadurch ab. Verstärkt wird dieser Effekt noch dadurch, dass die oft teuer erkauften Ämter im Nachhinein "re-finanziert" werden müssen - und sich so die Korruption auch nach Erhalt des Amtes fortsetzt.
Dies kann unter anderem zu folgenden Verstößen gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte führen:
- Justiz und Verwaltung werden dazu missbraucht, Menschen aufgrund Ihrer Hautfarbe, Rasse, Geschlechtes o.Ä. zu diskriminieren (Verstoß gegen Artikel 2). Dies kann auf vielen Ebenen passieren - bei der Vergabe von Aufträgen, bei der Erteilung von Genehmigungen, bei der Bewertung von Prüfungsleistungen, vor Gericht...
- Gewaltverbrechen, Folter und das Halten von Menschen in Sklaverei und Leibeigenschaft werden nicht verhindert und verfolgt (Verstoß gegen Artikel 3, 4 & 5). In Indien leben nach Schätzungen von antislavery.org bis zu 40 Millionen Menschen in Sklaverei-ähnlichem Zustand - obwohl Sklaverei und deren moderne Formen, insbesondere bonded labour, gesetzlich verboten sind.
- Es gibt keinen fairen Zugang zu den Organen und Prozessen des Rechtsstaates (Verstoß gegen Artikel 6 bis 12), da dieser erkauft werden muss.
Diese Liste ließe sich fast beliebig fortsetzen.
Für unsere Kunden stellt sich in diesem Zusammenhang oft die Frage: Wie verhält man sich im Geschäftsleben, wenn Schmiergelder und Bestechung anscheinend dazugehört?
Die oben genannten Beispiele machen klar, dass eine Beteiligung und damit Förderung der Korruption schwerwiegende Folgen hat. Doch wie können sich deutsche Firmen in einem solchen Geschäftsumfeld behaupten?
Im Alltag werden immer wieder Vertreter Ihrer Organisation vor diese schwierige Wahl gestellt sein - wir raten deshalb zu einem sehr offensiven Umgang mit diesem Problem. Machbar erscheint es uns, subtil zu kommunizieren, dass korrupte Handlungen durch die im Heimatland strikteren Maßstäbe gar nicht möglich sind. Um diesen Standpunkt ohne allzu große Verluste einnehmen zu können, müssen sich deutsche Unternehmen um Allianzen mit indischen Politikern und anderen wichtigen öffentlichen Personen bemühen. So schaffen sie sich nicht nur eine gute Verhandlungsposition, sondern erreichen auch, dass die Praktiken Ihrer Konkurrenten genauer untersucht werden.
Am Ende entsteht hoffentlich eine win-win-Situation für alle: Selbst wenn Korruption manchmal als kurzfristig erfolgreich eingeschätzt wird, überwiegen auf Dauer immer die negativen Effekte. Und gerade für eine Indien-Strategie ist die langfristige Perspektive sicher maßgeblich.
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