Man könnte meinen, die Inder seien verrückt geworden. Nur 500 Rupien (~ acht Euro) sollte der versprochene Rechner mit zwei Gigabyte Speicher und drahtloser Internetanbindung kosten, mit dem die Regierung einer breiten Masse von Schülern und Studenten den Zugang zur Internetkommunikation ermöglich wollte. Experten schüttelten früh den Kopf, denn schon ein handelsüblicher Bildschirm kostet doppelt so viel.
Am 3. Februar 2009 wurde nun ein Gerät vorgestellt, mit dem in erster Linie Schulbücher dargestellt werden können - weitere Funktionen: Fehlanzeige. Die Reaktionen reichen von Kopfschütteln bis Gelächter – und ein bisschen Schadenfreude scheint auch im Spiel zu sein.
Der amerikanische Nachrichtensender Fox News mag nicht immer die seriöseste Nachrichtenquelle sein, findet aber eine Formulierung, die vielen Technikexperten wohl aus der Seele spricht: Unter dem Titel „India's '$10 Laptop' Revealed as Nearly Useless Brick“ heißt es da: „When is a laptop not a laptop? When it's introduced by Indian education officials, apparently.“ Doch wenn man die Hintergründe etwas genauer betrachtet, muss man anerkennen, dass hier ein Weg eingeschlagen wurde, der recht vielversprechend ist – und keineswegs als gescheitertes Projekt abgestempelt werden sollte.
Denn Indien hat mit über 400 Millionen Kindern und Jugendlichen (Quelle: UNICEF) nicht nur eine der größten, sondern vor allem auch eine der jüngsten Bevölkerungen der Welt. Die indische Politik hat erkannt, dass die Zukunft der Nation vor allem von einem Faktor abhängt: Bildung. Und sie fragt sich immer wieder: Wie kann es gelingen, eine solche Masse an Schülern auszubilden, wenn es an Schulen, Lehrern und Lernmaterialien mangelt?
Nur ein Beispiel für die immensen Anstrengungen, die dazu nötig sind: In Deutschland wurden im vergangenen Jahr laut VdS Bildungsmedien e.V. etwa 434 Millionen Euro für Schulbücher ausgegeben – die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Deutschland: Etwa 15 Millionen (Quelle: Statistisches Bundesamt). Indien müsste also etwa 10 Milliarden Euro pro Jahr ausgeben, um ein vergleichbares Niveau zu erreichen. Das wäre ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes – nur für Schulbücher.
Die „National Mission on Education through Information and Communication Techology“, mit deren Budget das Speichergerät finanziert wird, setzt genau an dieser Stelle an. Die Lektüre der entsprechenden Presseerklärung des indischen Ministeriums für Human Resource Development ist überaus aufschlussreich, erklärt sie doch den Verwendungszweck der bereitgestellten 46 Millarden Rupien (~ 740 Millionen Euro) für die nächsten fünf Jahre. Da sollen beispielsweise „e-knowledge contents, free of costs to Indians“ zugänglich gemacht werden. Und das Programm spricht auch von „experimentation and field trial in the area of performance optimization of low cost access devices for use of ICT in education“.
Das Internet-Portal „Sakshat“ ist hier ein erster Schritt – und das vorgestellte Speichergerät ein solcher Feldversuch. N.K. Sinha, Joint Secretary des Ministeriums für Human Ressource Development, erklärte laut der indischen Zeitung „The Hindu“, dass die Kosten des Gerätes etwa dem Geld entsprechen sollten, das ein Schüler pro Jahr für seine Schulbücher ausgibt. Und er fügte hinzu: „If bandwidth charges fall further, the device can work wonders“.
Natürlich teilen nicht alle diese Meinung. Wer glaubt, dass der Sinn und Zweck elektronischer Geräte sich in erster Linie daran messen lässt, wie gut man damit World of Warcraft spielen oder die neuesten Hollywood- (oder in diesem Fall Bollywood-) Blockbuster anschauen kann, wird wahrscheinlich eher die armen indischen Schüler bemitleiden, die ihr Dasein mit solch minderwertigen Geräten fristen werden müssen. Doch wenn man das Projekt als Versuch betrachtet, den Massen der indischen Schulkinder eine echte Bildungschance zu eröffnen, dann kann man eigentlich nur hoffen, dass sich auf der Seite der indischen Politik niemand durch die unberechtigte Kritik von außen irritieren lässt.
Am 3. Februar 2009 wurde nun ein Gerät vorgestellt, mit dem in erster Linie Schulbücher dargestellt werden können - weitere Funktionen: Fehlanzeige. Die Reaktionen reichen von Kopfschütteln bis Gelächter – und ein bisschen Schadenfreude scheint auch im Spiel zu sein.
Der amerikanische Nachrichtensender Fox News mag nicht immer die seriöseste Nachrichtenquelle sein, findet aber eine Formulierung, die vielen Technikexperten wohl aus der Seele spricht: Unter dem Titel „India's '$10 Laptop' Revealed as Nearly Useless Brick“ heißt es da: „When is a laptop not a laptop? When it's introduced by Indian education officials, apparently.“ Doch wenn man die Hintergründe etwas genauer betrachtet, muss man anerkennen, dass hier ein Weg eingeschlagen wurde, der recht vielversprechend ist – und keineswegs als gescheitertes Projekt abgestempelt werden sollte.
Denn Indien hat mit über 400 Millionen Kindern und Jugendlichen (Quelle: UNICEF) nicht nur eine der größten, sondern vor allem auch eine der jüngsten Bevölkerungen der Welt. Die indische Politik hat erkannt, dass die Zukunft der Nation vor allem von einem Faktor abhängt: Bildung. Und sie fragt sich immer wieder: Wie kann es gelingen, eine solche Masse an Schülern auszubilden, wenn es an Schulen, Lehrern und Lernmaterialien mangelt?
Nur ein Beispiel für die immensen Anstrengungen, die dazu nötig sind: In Deutschland wurden im vergangenen Jahr laut VdS Bildungsmedien e.V. etwa 434 Millionen Euro für Schulbücher ausgegeben – die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Deutschland: Etwa 15 Millionen (Quelle: Statistisches Bundesamt). Indien müsste also etwa 10 Milliarden Euro pro Jahr ausgeben, um ein vergleichbares Niveau zu erreichen. Das wäre ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes – nur für Schulbücher.
Die „National Mission on Education through Information and Communication Techology“, mit deren Budget das Speichergerät finanziert wird, setzt genau an dieser Stelle an. Die Lektüre der entsprechenden Presseerklärung des indischen Ministeriums für Human Resource Development ist überaus aufschlussreich, erklärt sie doch den Verwendungszweck der bereitgestellten 46 Millarden Rupien (~ 740 Millionen Euro) für die nächsten fünf Jahre. Da sollen beispielsweise „e-knowledge contents, free of costs to Indians“ zugänglich gemacht werden. Und das Programm spricht auch von „experimentation and field trial in the area of performance optimization of low cost access devices for use of ICT in education“.
Das Internet-Portal „Sakshat“ ist hier ein erster Schritt – und das vorgestellte Speichergerät ein solcher Feldversuch. N.K. Sinha, Joint Secretary des Ministeriums für Human Ressource Development, erklärte laut der indischen Zeitung „The Hindu“, dass die Kosten des Gerätes etwa dem Geld entsprechen sollten, das ein Schüler pro Jahr für seine Schulbücher ausgibt. Und er fügte hinzu: „If bandwidth charges fall further, the device can work wonders“.
Natürlich teilen nicht alle diese Meinung. Wer glaubt, dass der Sinn und Zweck elektronischer Geräte sich in erster Linie daran messen lässt, wie gut man damit World of Warcraft spielen oder die neuesten Hollywood- (oder in diesem Fall Bollywood-) Blockbuster anschauen kann, wird wahrscheinlich eher die armen indischen Schüler bemitleiden, die ihr Dasein mit solch minderwertigen Geräten fristen werden müssen. Doch wenn man das Projekt als Versuch betrachtet, den Massen der indischen Schulkinder eine echte Bildungschance zu eröffnen, dann kann man eigentlich nur hoffen, dass sich auf der Seite der indischen Politik niemand durch die unberechtigte Kritik von außen irritieren lässt.
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